Pfandflaschen für den guten Zweck
München - Mit einer einfachen Idee etwas Großes bewirken – genau das zeigt aktuell die Wohngruppe „Hope“ aus dem Salesianum München. Seit rund vier Monaten sammeln die Jugendlichen, gemeinsam mit Betreuerin Susi, Pfandflaschen und unterstützen mit den Erlösen das Projekt „EinDollarBrille“.
Inspiriert wurde Susi durch Bruder Sepp Schwaller, der bereits seit vielen Jahren auf dem Campus des Salesianums Pfandflaschen für den guten Zweck sammelt. Dadurch entstand bei ihr die Idee, auch auf der eigenen Wohngruppe ein ähnliches Spendenprojekt ins Leben zu rufen. „Mir war wichtig, ein Projekt zu finden, bei dem die Jugendlichen direkt verstehen können, was ihre Spende bewirkt“, erzählt sie. „Bei der EinDollarBrille ist das ganz einfach: Vier Pfandflaschen entsprechen ungefähr einer Brille. Das ist greifbar und motiviert.“
Der gemeinnützige Verein EinDollarBrille e. V. mit Sitz in Erlangen setzt sich seit 2012 für eine hochwertige und bezahlbare augenoptische Versorgung in Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas ein. Die Brillen bestehen aus einem leichten, stabilen Federstahlrahmen und können ohne Strom auf einfachen Biegemaschinen hergestellt werden. Die Materialkosten pro Brille liegen bei etwa einem US-Dollar – daher auch der Name des Projekts.
Doch hinter dem Projekt steckt weit mehr als nur die Herstellung von Brillen. Vor jeder Anpassung wird ein professioneller Sehtest durchgeführt. Dafür organisiert der Verein sogenannte Augencamps, oftmals auch in abgelegenen Dörfern, Schulen, Fabriken oder Gesundheitszentren. Gleichzeitig werden vor Ort Fachkräfte in Augenoptik und Brillenproduktion ausgebildet. So entstehen langfristige Arbeitsplätze und feste Einkommen in den jeweiligen Ländern. Zusätzlich leisten die regionalen Teams wichtige Aufklärungsarbeit über Sehschwächen und Augenerkrankungen, in der jeweiligen Muttersprache.
Mit kleinen Gesten Großes bewirken
Auch die Jugendlichen der Wohngruppe Hope waren schnell von der Idee begeistert. Viele geben inzwischen selbstverständlich ihre Pfandflaschen ab, statt sie selbst einzulösen oder wegzuwerfen. „Ich mag es, Menschen zu helfen, wenn ich kann“, erzählt einer der Jugendlichen. „Und hier kann ich schon mit einer einzigen Flasche etwas Gutes tun.“
Ein anderer Bewohner erzählt, dass er sich fast täglich zwei Red-Bull-Dosen trinkt und die leeren Dosen dann ganz selbstverständlich für das Projekt abgibt. „Ich finde es schön, dass ich schon mit so einem kleinen Einsatz helfen kann“, sagt er.
Rund 40 Euro kommen mittlerweile Monat für Monat zusammen. Insgesamt konnten bereits über 130 Euro an das Projekt gespendet werden – das entspricht 130 Brillen für Menschen, die sonst keinen Zugang zu einer augenoptischen Versorgung hätten.
Besonders beeindruckt Susi die Selbstverständlichkeit, mit der viele Jugendliche die Aktion unterstützen. „Viele von ihnen haben selbst nicht viel und trotzdem ist es für sie ganz selbstverständlich, etwas abzugeben – freiwillig und ohne großes Nachdenken. Jeder gibt einfach das, was möglich ist. Das finde ich schön.“
Aktuell stammt der Großteil der Spenden aus den eigenen Pfandflaschenbestand der Jugendlichen. Perspektivisch möchte Susi die Gruppe aber auch dafür sensibilisieren, unterwegs oder auf dem Gelände weggeworfene Pfandflaschen aufzusammeln. Langfristig kann sie sich zudem vorstellen, gemeinsam mit den Jugendlichen weitere Spendenprojekte auszuwählen, möglicherweise auch Hilfsorganisationen, die in Syrien oder Afghanistan wirken, den Herkunftsländern vieler Bewohner der Wohngruppe. „Aber das ist Zukunftsmusik“, sagt sie. „Im Moment freuen wir uns erstmal darüber, wie positiv die Aktion angenommen wurde.“
Eine kleine Geste mit großer Wirkung – und ein schönes Beispiel dafür, wie Solidarität ganz unkompliziert im Alltag gelebt werden kann.
ÖA / jl
