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Kardinal Reinhard Marx: „Don Bosco ist eine faszinierende Gestalt der Kirchengeschichte“

Veröffentlicht am: 02. Februar 2015

München – Bei der Münchener Ordinariatsdirektorin Dr. Sandra Krump war es die Oma, die ihn häufig zitierte und danach lebte, für den Präsidenten des Bayerischen Jugendrings Matthias Fack ist er aus der heutigen Jugendarbeit nicht wegzudenken und für Studentin Lena Dehnert steht er für Gelassenheit, Gemeinschaft und eine gesunde Portion Optimismus und Pragmatismus: Den Satz „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“ kennt wohl fast jeder aus alten Poesiealben, von bunten Spruchkarten oder dem Kalenderblatt. Beim diesjährigen Don-Bosco-Festwochenende in München, das ganz im Fokus des 200. Geburtstags Don Boscos stand, wurde das wohl bekannteste Lebensmotto Don Boscos auf gleich mehrere Weise mit Leben gefüllt.

Im Rahmen eines Festaktes zum Auftakt der Feierlichkeiten am Freitagabend hatten die Salesianer Don Boscos zu einer Gesprächsrunde zum Thema „Bildung – Berufung – Begeisterung“ und einer anschließenden Preisverleihung der „Don Bosco Spatzen – Dasein für Kinder und Jugendliche“ in den Pfarrsaal der Münchener Pfarrgemeinde St. Wolfgang eingeladen. Rund 180 geladene Gäste aus Gesellschaft, Politik, Kirche und Orden, aber auch viele junge Menschen, ehemalige wie aktuelle „Don Bosco Volunteers“, waren der Einladung gefolgt.

Gesprächsrunde zum Thema „Bildung – Berufung – Begeisterung“

„Bildung – Berufung – Begeisterung“– im Rahmen einer Gesprächsrunde, die von P. Alfons Friedrich moderiert wurde, gingen die Münchener Ordinariatsdirektorin Dr. Sandra Krump, der Präsident des Bayerischen Jugendrings, Matthias Fack, P. Stefan Stöhr, Direktor der Salesianer Don Boscos in München, sowie die 22-jährige StudentinLena Dehnert der Frage nach, welche Bedeutung diese Begriffe heute für den kirchlichen Bildungsbereich und die kirchliche Jugendarbeit haben.

Dr. Krump, Leiterin des Ressorts Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat, wies in ihrem Statement darauf hin, dass ein wesentlicher Aspekt einer kirchlichen Bildungseinrichtung heute Mitarbeiter sind, deren persönliche Haltung durch ein christliches Menschenbild geprägt ist. „Was macht einen katholischen Mathelehrer aus? Er soll im Matheunterricht sicher keine Glaubensgespräche führen, aber mir ist wichtig, dass der Glaube für ihn kein Fremdwort ist. Außerhalb des Unterrichts muss ich spüren, dass der Mathelehrer eine persönliche Beziehung und Einstellung zum Glauben hat“, sagte die Ordinariatsdirektorin.

Gleichzeitig machte sie deutlich, welch großen Herausforderungen heute eine immer pluraler werdende Gesellschaft für den Bildungsbereich mitbringe: „Die Vorstellung, dass in einen katholischen Kindergarten katholische Kinder gehen, die von katholischen Erzieherinnen katholisch erzogen werden, die ist heute falsch. Wir haben Kindergärten, in denen über 50 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund haben“, so Krump. Trotzdem könne es gelingen, in einer solchen Einrichtung kirchliche Feste gemeinsam zu feiern: „Man muss etwas wissen – über die eigene Religion und über die andere. Bildung in unserer heutigen Zeit heißt, Kinder und Jugendliche zu befähigen, das eigene Leben zu gestalten und zu deuten, ihnen aber auch zu ermöglichen, Orientierung in einer pluralen Gesellschaft zu finden“.

Der Präsident des Bayerischen Jugendrings,Matthias Fack, ging in seinem Statement auf die zukünftig verstärkte Aufgabe der kirchlichen Jugendarbeit ein, klare Akzente gegen Rassismus und Ausgrenzung zu setzen. Angesichts der wachsenden Anforderungen an Kinder und Jugendlichen in den Schulen sei es jedoch eine große Herausforderung, Jugendarbeit und schulische Bildung in Einklang zu bringen. Viele Akzente, die früher am Nachmittag in der kirchlichen Jugendarbeit stattgefunden hätten, seien heute so nicht mehr möglich und müssen in die Angebote der Schulen integriert werden. Das bestätigte auch Dr. Sandra Krump: „Kirchlich geprägte Angebote müssen an unseren Schulen möglich sein; wir müssen uns jedoch bewusst sein, dass das ein sehr unterfinanziertes System ist“.

Dass gerade auch die kirchliche Jugendarbeit wichtig ist und sinnstiftend sein kann, davon ist auch die 22-jährige Studentin Lena Dehnertüberzeugt. In der Gesprächsrunde berichtete sie von ihren Erfahrungen in der Katholischen Landjugendbewegung. „Das Engagement dort hat mir geholfen, den Glauben bewusster wahrzunehmen und zu leben“, so die aus Haag in Oberbayern stammende Studentin der Buchwissenschaften und Philosophie, die im Münchener Salesianum als Werkstudentin arbeitet. Als Jugendlichem sei es einem wichtig, ernst genommen zu werden. „Wenn einem etwas zugetraut wird, dann lernt es sich auch leichter“, so Dehnert.

Die Gesprächsrunde komplettierte der Provinzökonom und Direktor der Salesianer Don Boscos in München,P. Stefan Stöhr. Er berichtete aus den Erfahrungen der Arbeit mit jungen Menschen im Salesianum in München. Er zeigte sich überzeugt davon, dass sich die Kirchlichkeit einer Einrichtung nicht dadurch auszeichne, wie oft in dieser Einrichtung Gottesdienst mit den Jugendlichen gefeiert werde. „Wir müssen jungen Menschen die Möglichkeit geben, über Sinnfragen ins Gespräch zu kommen und so mit Gott in Berührung zu kommen“, so Stöhr. Dazu, und da waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig, sei der alte Sinnspruch Don Boscos – „Fröhlich sein, Gutes tun und sie Patzen pfeifen lassen“ – nach wie vor bedeutsam, denn in Erziehung und Ausbildung brauche es auch heute noch einen langen Atem, eine klare Motivation und letztlich Gelassenheit.

Preisverleihung der „Don Bosco Spatzen“

Die anschließende Preisverleihung im Pfarrsaal der Pfarrei St. Wolfgang stand ganz im Zeichen des Engagements für junge Menschen und der Verleihung der „Don Bosco Spatzen – Dasein für Kinder und Jugendliche“. Die Auszeichnung möchte auf das Engagement von Personen und Einrichtungen für Kinder und junge Menschen aufmerksam machen und sie bestärken, ihr Engagement im Geiste Don Boscos fortzuführen. Eine Auszeichnung erhielt in diesem Jahr Anita Haun. Sie wurde für ihr großes Engagement als Erzieherin, dann 20 Jahre als Leiterin des Kindergartens St. Wolfgang geehrt. Mit fachlicher Kompetenz und Herz habe sie unzählige Mädchen und Jungen auf ihrem Weg begleitet, aber auch Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen beim Einstieg ins Berufsleben unterstützt, hieß es in der Begründung. Ihre Motivation dazu resultiere aus dem Glauben und der Idee Don Boscos. Frau Haun nahm die Auszeichnung aus den Händen von Ordinariatsdirektorin Dr. Sandra Krump entgegen.

Weiter ausgezeichnet wurde das Referat Freiwilligendienst im Salesianum. Seit seinem Bestehen in den vergangenen vier Jahren habe es knapp 150 jungen Menschen die Chance gegeben, sich in Einrichtungen der Salesianer Don Boscos in ganz Deutschland einzubringen. Dies habe zur beruflichen Orientierung und zur Persönlichkeitsbildung der Freiwilligen beigetragen. Der Preis wurde durch den Präsidenten des Bayerischen Jugendrings, Matthias Fack, überreicht.

Ein dritter Preis ging an das Caritaszentrum Au-Haidhausen-Giesing. Mit unterschiedlichen Angeboten erreichten die hauptamtlichen Mitarbeiter sowie die vielen ehrenamtlichen Helfer die Menschen im Stadtviertel. Die Sorge gelte den älteren Menschen ebenso wie jenen mit Migrationshintergrund oder solchen, die mit ihrem Leben einfach nicht zurechtkämen. Herr Günther Kraus nahm stellvertretend für die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Leiter des Zentrums, den Preis aus den Händen von Stefan Eß, Direktor des Münchener St. Michaelsbunds, entgegen.

Festgottesdienst am Sonntag mit Kardinal Reinhard Marx

Im Rahmen des Festgottesdienstes am Sonntag würdigte der Münchener Kardinal Reinhard Marx die Arbeit der Salesianer Don Boscos mit Kindern und Jugendlichen. Johannes Don Bosco sei eine „faszinierende Gestalt der Kirchengeschichte“. Er hebe die oft verborgenen Schätze des Evangeliums und bringe sie neu zum Strahlen, betonte der Kardinal und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Pädagogik heute bedeute nicht, Kinder zu entfremden oder sie nach „unserem Bild“ zu erziehen. Vielmehr gelte es zu entdecken, was Gott mit einem Menschen vorhabe. So habe Don Bosco liebevoll auf die Potenziale der jungen Leute geschaut. „Don Bosco ist auf die Menschen zugegangen, ganz wie es Jesus vorgelebt hat. Er hat Menschen ermutigt, ihre Kräfte zu fördern, lebendig werden zu lassen mit Hilfe der Kraft des Glaubens und mit einer unendlichen Liebe, die die Menschen nicht niederdrückt und klein macht, sondern sie ermutigt ihren Weg zu gehen“, so Marx.

Musikalisch gestaltet wurde der festliche Gottesdienst von der Kinder-, Jugend- und Chorgemeinschaft St. Wolfgang unter Leitung von Stefan Ludwig. An der Orgel saß Prof. Andreas Puhani, die Trompete spielte Martin Hoffmann.

Nach dem Mittagessen im mit über 600 Gästen voll besetzten Veranstaltungssaal des Salesianums und anschließendem Kaffee und Kuchen fanden die Feierlichkeiten mit einem „Bunten Nachmittag“ ihren Abschluss. Der Kinder- und Jugendchor erfreute die Festgemeinde mit weiteren Liedern aus ihrem Repertoire. Der angekündigte Zirkus „Jaloschum“ vom Staffelsee konnte wegen einer akuten Erkältungswelle nicht auftreten. Dafür sprang kurzfristig Istwan aus Rumänien ein, der im Salesianum gerade seine Sprachkenntnisse verbessert und der sein Talent als Zauberer zum Besten gab. Als künstlerischer Höhepunkt traten Mitarbeiter/innen und Jugendliche des Jugendwohnheims Salesianums auf. Sie hatten hierfür eigens beleuchtete Kostüme kreiert. In einer Choreografie im dunklen Veranstaltungssaal zeigten sie eine beeindruckende Licht-und-Schatten-Choreografie.

RefÖA/kh

Einrichtung der Salesianer Don Boscos

Das Salesianum ist eine Einrichtung der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos mit Angeboten des Jugendwohnens und der Jugendhilfe, einem Jugendgästehaus, der Schülertagesstätte Oratorium Don Bosco sowie einem  Veranstaltungs- und Gästebereich. Weitere Informationen zur Arbeit des Ordens in Deutschland finden Sie auf unserer Hauptseite: www.donbosco.de

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Leckeres Essen, gesellige Musik, einfach gute Stimmung: Etwa 400 Jugendliche, Salesianer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Nachbarn und Freunde des Salesianums feierten in München gemeinsam ein rundum gelungenes Sommerfest.

Weitere Videos aus dem Salesianum

Veranstaltungen und Gästezimmer

Tagen, Veranstalten und Übernachten in München: Der eigene Veranstaltungs- und Tagungsbereich des Salesianums ist ideal für ein- bzw. mehrtägige Tagungen, Seminare, Akademien sowie andere größere Veranstaltungen. Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier:
www.treffpunkt-sales.de

Jugendgästehaus

Willkommen bei Don Bosco! Egal ob Klassenfahrt, Pfarrausflug, Bildungsreise oder internationaler Jugendaustausch – das Jugendgästehaus Don Bosco bietet einen guten Rahmen für einen Aufenthalt in München! Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten unter jugendgaestehaus-muenchen.com

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